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Ein Kommentar

andere Zeiten

Ich bin auf Usedom,
was es damals hier zu wenig gab, Cafes, Geschäfte (Shops genannt), Angebote von Festen (einst Feten – heute Events genannt), Hotels, Pensionen, alles gibt es heute im Überfluss, in einem solchen Überfluss, dass es mir fast schon zu viel ist.
Auf dem Frühstücksbuffet im Hotel mit der “ längsten Seetereasse am Achterwasser“ ist alles vorhanden: Wurst, Schinken, Käse Eier gekocht oder als Rühreier mit Speck, Marmelade, Schokolade, Süßes und sauer Eingelegtes, Obst „regional“ (eingekochte Pflaumen) oder „exotisch“ (Ananas) – lieblose Stücken in eine große Schüssel geschnitten. Zwischen all dem die Dekoration – ein Tablet-PC, auf dem eine Diashow farbige Bilder präsentiert von liebevoll arrangierten Buffets – Details für die in real live kein Interesse besteht.  Bunte Bilder müssen wohl sein.
Die zentralen Badeorte Zinnowitz, Heringsdorf, Ahlbeck, Koserow haben Seebrücken mit Geschäften, Buden und Lädchen, um Fisch, Würstchen, Glühwein zu verkaufen. Schmuck- und – früher nannte man es „Andenkenläden“ – haben an der Promenade Sonn- und Feiertags geöffnet und die Menschentrauben hängen an ihnen. Musik beschallt die Touristen von überall her, jeder will wahrgenommen werden mit seinem Angebot, jeder will Wohlbefinden und Urlaubsparadies verkaufen, unzählige Werbeplakate werben für Museen, Ausstellungen und Hotels mit Attraktionen, die man anderen Orts auch haben könnte, aber weil der Urlauber einmal hierher geholt ist, folgen die Attraktionen den Besucherströmen: Ein Haus, das auf dem Kopf steht, Phänomenta, Schmetterlingsfarm, eine Krimi-Erlebnis Abend – wahlweise ein russischer Abend, geheizte Partyzelte für die Silvesterfeiern am Strand.
Land unter.
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