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Mein erster Schultag

Es war wieder Frühling. Ostern stand vor der Tür und somit mein sechster Geburtstag. Der ganz spezielle Schulanfangsgeburtstag. Aber vorher sollte ich nun tatsächlich in die Schule kommen. Viel aufregender und viel spannender als alles bisher Erlebte. Es war endlich so weit. Ich hatte diesen Tag sehnlichst erwartet.
Mein Bruder und ich wurden herausgeputzt. Dabei wurden auch noch einmal ganz genau die doch schon sauberen Fingernägel überprüft. Mein schöner, neuer, brauner Lederranzen wurde auf den Rücken gesetzt und die passende lederne Brottasche quer über den Körper gehängt. Das Beste war jedoch die herrlich bunte und große Schultüte voller süßer Überraschungen, die ich fest mit meinem linken Arm an meinen Körper drückte.
Meine Eltern hatten ebenfalls ihren Sonntagsstaat angezogen. Weiterlesen


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Vertreibung aus dem Paradies

In meinem Haferfass – ich hatte wohl bei der letzten Fütterung den Deckel nicht richtig verschlossen – saß heute eine Maus. Angelockt von dem leckeren Geruch war sie hineingekrochen und tiefer gerutscht als es ihr lieb war. Immerhin konnte sie sich satt essen an dem, was sie begehrte. Richtig weich war sie gefallen, aber das Fass war ja nur halbvoll – das hatte sie übersehen und nun saß sie auf den Leckerbissen und wollte doch raus. Denn bei Licht betrachtet war sie recht schutzlos und in Gefahr. Als ich das Fass öffnete, flitzte sie aufgeregt herum und bettelte geradezu, wieder heil aus dem Paradies heraus gesetzt zu werden. Ich tat ihr den Gefallen – hab ja schließlich fast schön Übung darin.

Diana


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Birgit

Birgit kommt aus dem Schwedischen und bedeutet „die Starke“.
Meine Eltern haben einen nordischen Namen für mich ausgewählt, obwohl oder vielleicht gerade weil mein Vater ein hessisches Urgestein war. Wäre es nämlich nach dem Wunsch meiner Mutter gegangen, so hieße ich heute Susanne. Aber mein Vater erklärte diesen Namen für absolut unmöglich. Wurde doch die beste Freundin seiner Mutter niemals Susanne Gernand, sondern auf gut hessisch immer die „Gernand’s Suss“ gerufen.
So einigten sich meine Eltern auf diesen klaren, deutlichen Namen, der im hessischen Sprachgebrauch im Jahre 1965 – meinem Geburtsjahr – noch keine Veränderung bzw. Abwandlung in einer hessischen Dialektform erfahren hatte.
Meine Namensgebung wurde durch die Familientradition meiner Mutter jedes Jahr am 1. Februar mit dem Namenstag gefeiert. Weiterlesen


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Ihr müßt euch schon selbst unterhalten

Ich lese in der Zeit. „Kein W-Lan. Ihr müßt euch schon selbst unterhalten“ steht auf der tafel einer Berliner Gaststätte. Ich sitze im Zug. Neben mir sitzt ein äußerst geschäftiger Geschäftsmann, er telefoniert, arbeitet am PC und da er auf meinem Fensterplatz sitzt, fragte er mich dreimal, ob ich den PC-Anschluß nutzen will. (Der gehörte schließlich zu meinem Platz). Nein, ich habe keine Lust zum Arbeiten, träume vor mich hin. „Wenn es immer nach der Lust ginge“, sagte der Geschäftsmann und arbeitet ohne aufzublicken weiter. Weiterlesen


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Eisfesseln

Ja es hat Schnee! Etwa fünfundzwanzig Zentimeter – ein gefühlter halber Meter.
Beim Freischippen der Garage habe ich mir schon ausgemalt, was mich auf dem Gütle erwartet. Der Schnee vor den Stallungen muss zur Seite geräumt werden, bevor ich die Tiere versorgen kann. Aber erst einmal soweit sein. Nicht einmal der Parkplatz ist zu erreichen. Ich entscheide mich, das Auto am Straßenrand zu parken. Das heißt auch, mich dort umzuziehen – Stiefel , Hose, Anorak – ja glotzt ruhig – aber paßt auf, dass ihr nicht im Straßengraben landet.
Ich stapfe mit meinen nur halbhohen Stiefeln los.  Bis zum Parkplatz habe ich schon den Schnee in den Stiefeln. Bis ich bei den Tieren ankam , hatte ich mich damit abgefunden, dass meine Fesseln nass und eisig werden und dies auch auf keine Art zu verhindern ist. Punkt.
Entschädigt werde  ich beim Anblick des Gütles – schön sauber weiß – aller Dreck unter Putz – herrlich.
Als erstes begrüßt mich der Njandu, sein Gesicht ist verziert mit Eisklümpchen, selbst die langen Augenwimpern. Ich beneide ihn um seine langen Beine, Weiterlesen


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Briefkastensegnung

In diesem Jahr habe ich die heiligen drei Könige verpaßt. Genau genommen habe ich verpaß,t mich in die Liste meiner Gemeinde in einzutragen, in der sich einträgt, wer den Besuch der heiligen drei Könige wünscht, um die Segnung für das eigene Haus und das neue Jahr zu bekommen.
Zu doof. Im letzten Jahr hatte ich es angemeldet und dann den Termin bekommen, wann sie in meine Gegend kommen und gewartet und gewartet und wurde nicht enttäuscht. Da kamen sie mit ihren Heerscharen und mit Gitarre und den Sprüchlein, der Spendenbüchse mit nicht nur einen Schlitz für die Münzen, sondern auch mit einem Loch, in das man die gerollten Scheine hinein stecken kann, wie die Könige mich aufklärten. Wie zeitgemäß. Außerdem hat man die Wahl, ob man die CMB Insignien auf den Sturz der Haustür althergebracht mit Kreide geschrieben haben will oder ganz modern als Aufkleber bekommen möchte. Ich hatte mich ohne Zögern für die Kreide entschieden, dann tat es mir leid, den bei der Wahl des Königs, der bei mir anschreiben durfte – jedes Kind wollte anschreiben – fiel der kleine Junge gleich heraus, er konnte noch nicht schreiben. Ich hatte schon entschieden, dass der kleine Junge den Segensspruch anschreiben konnte, als ich mich aber gleichsam für die Kreidevariante entschieden hatte, fiel der Kleine aus dem Kader der Schreiberlinge heraus. Doch dann griff der liebe Gott einmal erbarmend in mein Leben – oder in das des kleinen Königs ein, denn die Kreide schrieb nicht auf dem edel lackierten Sturz meiner Wohnungstür. Nun half nur noch die Aufklebervariante, der Kleine wurde von dem Großen hochgehoben und durfte das 20 CMB 14 ankleben.
So war das im letzten Jahr. Weiterlesen


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andere Zeiten

Ich bin auf Usedom,
was es damals hier zu wenig gab, Cafes, Geschäfte (Shops genannt), Angebote von Festen (einst Feten – heute Events genannt), Hotels, Pensionen, alles gibt es heute im Überfluss, in einem solchen Überfluss, dass es mir fast schon zu viel ist.
Auf dem Frühstücksbuffet im Hotel mit der “ längsten Seetereasse am Achterwasser“ ist alles vorhanden: Wurst, Schinken, Käse Eier gekocht oder als Rühreier mit Speck, Marmelade, Schokolade, Süßes und sauer Eingelegtes, Obst „regional“ (eingekochte Pflaumen) oder „exotisch“ (Ananas) – lieblose Stücken in eine große Schüssel geschnitten. Zwischen all dem die Dekoration – ein Tablet-PC, auf dem eine Diashow farbige Bilder präsentiert von liebevoll arrangierten Buffets – Details für die in real live kein Interesse besteht.  Bunte Bilder müssen wohl sein.
Die zentralen Badeorte Zinnowitz, Heringsdorf, Ahlbeck, Koserow haben Seebrücken mit Geschäften, Buden und Lädchen, um Fisch, Würstchen, Glühwein zu verkaufen. Schmuck- und – früher nannte man es „Andenkenläden“ – haben an der Promenade Sonn- und Feiertags geöffnet und die Menschentrauben hängen an ihnen. Musik beschallt die Touristen von überall her, jeder will wahrgenommen werden mit seinem Angebot, jeder will Wohlbefinden und Urlaubsparadies verkaufen, unzählige Werbeplakate werben für Museen, Ausstellungen und Hotels mit Attraktionen, die man anderen Orts auch haben könnte, aber weil der Urlauber einmal hierher geholt ist, folgen die Attraktionen den Besucherströmen: Ein Haus, das auf dem Kopf steht, Phänomenta, Schmetterlingsfarm, eine Krimi-Erlebnis Abend – wahlweise ein russischer Abend, geheizte Partyzelte für die Silvesterfeiern am Strand.
Land unter.
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