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Birgit

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Birgit kommt aus dem Schwedischen und bedeutet „die Starke“.
Meine Eltern haben einen nordischen Namen für mich ausgewählt, obwohl oder vielleicht gerade weil mein Vater ein hessisches Urgestein war. Wäre es nämlich nach dem Wunsch meiner Mutter gegangen, so hieße ich heute Susanne. Aber mein Vater erklärte diesen Namen für absolut unmöglich. Wurde doch die beste Freundin seiner Mutter niemals Susanne Gernand, sondern auf gut hessisch immer die „Gernand’s Suss“ gerufen.
So einigten sich meine Eltern auf diesen klaren, deutlichen Namen, der im hessischen Sprachgebrauch im Jahre 1965 – meinem Geburtsjahr – noch keine Veränderung bzw. Abwandlung in einer hessischen Dialektform erfahren hatte.
Meine Namensgebung wurde durch die Familientradition meiner Mutter jedes Jahr am 1. Februar mit dem Namenstag gefeiert. Meine Mutter stammt aus dem Sudetenland. Dort wurden früher die Namenstage mehr gefeiert als die Geburtstage, um in der katholischen Erziehung deutlich zu zeigen, dass das Kind einen Namen in Gottes Welt hat und somit einzigartig ist.
Diese Einzigartigkeit, die meine Eltern meinten für mich ausgesucht zu haben, stellte sich jedoch ab meinem dritten Lebensjahr als Trugschluss heraus. Im Kindergarten schloss ich meine erste Freundschaft mit einer Birgit. Wir zwei haben viel zusammen erlebt und auch in der Schulzeit die Lehrer oft geärgert. So konnte immer eine Birgit antworten, wenn die andere es nicht wusste und wir blickten unschuldig drein, wenn der Lehrer die andere Birgit meinte. Durch Kindertage, Schulzeit, Pubertät, bis hin zum Traualtar als ihre Trauzeugin habe ich sie begleitet und sie ist ein Teil meiner Lebensgeschichte.
Birgits haben mich immer wieder begleitet: während meiner Ausbildung, im Beruf als Kollegin direkt in einem Büro zusammen. Und doch fühle ich mich mit meinem Namen einzigartig. Vielleicht weil ich ihn nun doch durch einen Doppelnamen bei meinem Nachnamen ergänzt habe? Oder weil ich immer noch jedes Jahr am 1. Februar meinen Namenstag feiere? Ich feiere übrigens meinen Namenstag immer gemeinsam mit meiner Mutter und dem Mann meiner Freundin, die ihren besonderen Namenstag wiederum auch feiern.
Eine schöne Tradition und ein Anlass dem anderen zu zeigen: Du bist für mich einzigartig – ich nenne Dich bei Deinem Namen.

Birgit S.

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