schreiberlink-kolumne

Eisfesseln

Hinterlasse einen Kommentar

Ja es hat Schnee! Etwa fünfundzwanzig Zentimeter – ein gefühlter halber Meter.
Beim Freischippen der Garage habe ich mir schon ausgemalt, was mich auf dem Gütle erwartet. Der Schnee vor den Stallungen muss zur Seite geräumt werden, bevor ich die Tiere versorgen kann. Aber erst einmal soweit sein. Nicht einmal der Parkplatz ist zu erreichen. Ich entscheide mich, das Auto am Straßenrand zu parken. Das heißt auch, mich dort umzuziehen – Stiefel , Hose, Anorak – ja glotzt ruhig – aber paßt auf, dass ihr nicht im Straßengraben landet.
Ich stapfe mit meinen nur halbhohen Stiefeln los.  Bis zum Parkplatz habe ich schon den Schnee in den Stiefeln. Bis ich bei den Tieren ankam , hatte ich mich damit abgefunden, dass meine Fesseln nass und eisig werden und dies auch auf keine Art zu verhindern ist. Punkt.
Entschädigt werde  ich beim Anblick des Gütles – schön sauber weiß – aller Dreck unter Putz – herrlich.
Als erstes begrüßt mich der Njandu, sein Gesicht ist verziert mit Eisklümpchen, selbst die langen Augenwimpern. Ich beneide ihn um seine langen Beine,   mit denen er so elegant durch den Schnee kommt. Ich entscheide mich, die Pferde über das gesamte Grundstück frei laufen zu lassen. Da können sie sich austoben und im Schnee wälzen – das spart das Putzen. (Großer Winterbonus!!) Sie galoppieren auch erst einmal bergab Richtung Schafhaus und machen mir einen Trampelpfad. Die Schafe stehen drüben und blickten herüber als wollten sie sagen – heute kriegen wir aber eine doppelte Ration Heu, denk nicht, dass wir uns das Gras unter dem Schnee raus suchen. Ich stimme ihnen zu. Als ich schon halb in der Pferdespur bin, trifft mich noch einmal der Blick der Schafe, der mir sagt, dass sie – die kurzbeinigen Schafe – bei so dickem Schnee nicht bis zur Quelle laufen, und dass ich ihnen gleich mal einen Eimer Wasser mitbringen soll. Ok. Ich stapfe zur Quelle – also doch durch den dicken Schnee – kniehoch war der da. Ich gebe es auf, die Schneebatzen aus meinen Stiefeln zu räumen. Die Jeans sind inzwischen auch weiß. Ich öffne das Schafhaus – die Seite, wo das Heu und Stroh liegt – und was liegt da vor dem Heu und Stroh??? Eine kleine tote Spitzmaus sooooooooo klein etwa, mit Schwanz schon sooooooooooooooooooo groß, liegt auf dem Rücken, Hände und Füße zum Himmel gestreckt – Hilfe jetzt kommt auch noch der Winter – ich sterbe.
Vielleicht war es nicht der Winter, sondern die Katze oder ein anderer versteckter Räuber.
Als ich zurückgehe, beobachte ich die Pferde, wie sie den Schnee mit den Vorderhufen wegscharen und mit dem Maul im Schnee stöbern, um das grüne Gras rauszuholen. Nachdem ich den Stall ausgemistet habe und frisches Wasser vom Brunnen zum Stall schleppe, kommen die Pferde. Sie wissen, es gibt reichlich leckeres Heu mit Sommersonne drin, allemal besser als kleine Rationen eisgekühltes Gras.
Nach zwei Stunden Arbeit denke ich daran, nach Hause zu fahren, inzwischen sind meine Fesseln eiskalt, meine Füße nass und kalt, die Jeans, meine Strumpfhose und die Sockenränder zusammengefrostet an meinen Beinen – da wo die Arme Pulswärmer haben.

 

 

 

 

 

 

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s