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Kaffee, Tee, Kakao

Kaffee, Tee, Kakao ist für mich eine automatische und selbstverständliche Aneinanderreihung von Worten wie die logische Zahlenreihenfolge eins zwei drei.

Kaffee, Tee, Kakao steht als Synonym für das Aufgabengebiet des Vorgesetzten meiner Mutter, Herrn A. C. Herr A.C. war Vertriebschef bei Edeka und zuständig für diesen Bereich. Meine Mutter arbeitete über 30 Jahre als Sekretärin für ihn und über diesen Zeitraum habe ich diesen Mann auch gekannt und erlebt.

Das erste, kleine Büro, dass sich Herr A.C. in unserem Dorf angemietet hatte, lag praktischerweise auf meinem täglichen Weg zum Kindergarten. So gingen meine Mutter und ich morgens gemeinsam aus dem Haus, ich durfte noch kurz im Büro Herrn A.C. Guten Morgen sagen und verschwand dann im Kindergarten, der direkt um die Ecke von seinem Büro lag. Ich war froh, dass ich mich nur kurz in dem kleinen Büro aufhalten musste, denn der ganze Raum war bereits morgens von Rauchschwaden seiner Zigaretten erfüllt. Die Luft vermischte sich mit dem Geruch des frisch aufgebrühten Kaffees. Das alles ergab für mich einen stechenden und beißenden Geruch, der mir als Kind sogar Übelkeit verursachte.

Die Umsatzzahlen von Kaffee, Tee, Kakao waren in den 70’ern so gut, dass Herr C. ein größeres Büro mit einer angeschlossenen Lagerhalle in unserem Dorf anmieten konnte. Weiterlesen


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Herbstbaden

Einer der letzten heißen Sommertage. Die Sonne brennt so heiß, wie sie es im September eben noch vermag. Die Wiese war um die Mittagszeit endlich abgetrocknet. Die Wasserfläche glitzert und es scheint als wollte sie ganz schnell wegfließen, so sehr kräuselt der Wind die Oberfläche des Sees.
Er fegt durch die Kronen der Weiden und Erlen am Ufer, so dass ein hastiges Rauschen den Herbst ankündigt. Ab und an fliegt ein Blatt herab und sucht sich bei den nackten Sonnenanbetern einen Landeplatz. Ich überlege noch einmal Baden zu gehen. Gehörte vor einer Stunde noch Mut dazu, als einzige ein Bad zu riskieren, gehört jetzt Courage dazu, am Uferrand umzukehren und nicht Baden zu gehen. Inzwischen sind sogar schon etliche Frauen im Wasser…
Diana


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Maisernte

heute ist der letzte Sonnentag in diesem Sommer – das hat jedenfalls gestern der Wetterbericht gesagt: Und wirklich scheint den ganzen Tag die Sonne. Nachdem wir die Zeitungen ausgetragen hatten, kam laut brummend ein riesiger Mähdrescher auf unserer Straße entlang. Moritz rief mich extra zurück – eh schau mal – grinste er und sagte – die Maisernte beginnt. Kurz darauf bin ich aufs Gütle. Vorab fuhr ich noch tanken, auch um Benzin für die Wasserpumpe zu holen. Da kam doch tatsächlich so ein riesiges Mähmonster an die Tankstelle, Weiterlesen


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Lebenszeichen

Es ist Anfang Juni 2015. Ich lese in einer Tageszeitung, dass am 1. Juni in Belgien die letzte Telefonzelle abtransportiert wird.
Bei uns in Deutschland gibt es seit Ende 2014 nur noch 38.000 Telefonzellen. Das ist ein Drittel des ursprünglichen Bestandes. Die restlichen zwei Drittel wurden entsorgt, da die Kosten für die Instandhaltung zu hoch war.
Wo finden diese Gespräche, die einst in den gelben Kabinen, die höchstens eine Grundfläche von einem Quadratmeter hatten, die durch die Glaselemente perfekt einsehbar waren und deren großer schwarzer Griff das Türöffnen nur mit großer Kraftanstrengung ermöglichte, nun statt? Weiterlesen


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Der Hang

Dunkelrote Rosen und weiße Nelken, so gebunden, dass sie auf einem Palmblatt fächerförmig liegen. Die junge russische Verkäuferin legt die Blüten behutsam, liebevoll zurecht. „So mache ich zum ersten Mal“, sagt sie bescheiden.
Ich ahnte nicht, dass es mir so schwer fällt, diesen Grabschmuck zu tragen. Es muss sein.
Ich steige zu meinen – der Geschichte und der Gegend kundigen – russischen Begleitern in den Wagen. Die Fahrt beginnt in Orjol, etwa vierhundert Kilometer südlich von Moskau. wir Wir nähern uns der Stadt Chotinez und erfragen den Weg nach unserem Ziel: Obraszowo. Über tief gefurchte Feldwege erreichen wir den kleinen Ort. Einige wenige Häuser sind zu sehen auch ältere, langsam verfallende Holzhäuser auf einem Hügel. Unten im Wiesengrund ein Brunnen.

Gegenüber erstreckt sich eine Pläne, gleichmäßig mit Gras bewachsen. Sie zieht sich lang hin, völlig frei einsehbar bis zur südlich liegenden Kuppe. Das muss sie sein, die Höhe 243. Weiterlesen


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Neulich in Caracas

Ich saß – gemütlich eine Tasse Kaffee trinkend – bei einem Kunden in der Nähe der Innenstadt. Am Abend musste ich mit einem Inlandsflug weiter. Ich bat meinen Gastgeber, mir rechtzeitig ein Taxi zum Flughafen zu bestellen. Ein Stunde Fahrzeit plant man üblicherweise ein. Genügend Zeit um problemlos durch die Innenstadt von Caracas zu kommen und dann noch die 900 Höhenmeter hinab zum Flughafen Marquetia, der direkt am Meer liegt, zu bewältigen.
Da die Ortsansässigen nie mit Stau rechnen und um Diskussionen zu vermeiden, gebe ich meine Abflugzeit stets 30 Minuten früher an. So komme ich nie in Zeitdruck.
Das Taxi kommt zur vereinbarten Zeit. Doch irgendwas stimmt heute nicht. Nach einer halben Stunde sind wir immer noch in der Innenstadt. Skeptisch frage ich meine Taxifahrerin, ob wir es denn rechtzeitig schaffen. „Si, si, “
Sie ist sich sicher, wir schaffen es. Dabei versinkt die Stadt versinkt komplett im Verkehrschaos. Demnächst sind Wahlen und die sozialistische Partei hat Tausende von Demonstranten mobilisiert, die in roten T-Shirts durch die Straßen ziehen und dabei den Verkehr still legen. Aus allen Richtungen dringen die Parolen und Lieder vergangener Revolutionen aus Lateinamerika an mein Ohr:
Venceremos; Venceremos „ Wir werden siegen“
Meine Bedenken werden größer. Weiterlesen


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Badewanne, Schnittchen, Wunschkonzert und EWG

Der Höhepunkt eines Samstag Abends war für mich die Kombination aus Badewanne, Schnittchen, Wunschkonzert im Radio und EWG im Fernsehen.
Nach vier Stunden Schule am Samstag Morgen ging es mit dem Rad schnell nach Hause, wo ich meinem Vater bei der Gartenarbeit helfen durfte. Hecken schneiden, Laub zusammen kehren, Rasen mähen – das stand alles auf dem Programm. Alle Gartenabfälle wurden gesammelt und hinter unserem Haus auf der großen freien Wiese verbrannt.
Ich war immer stolz, dass ich mit der großen Heugabel das Feuer wenden durfte und hatte durch den Rauch und die um mich herumfliegenden Funken und Rußpartikel schnell neben den roten Pausbacken auch überall graue Flecken im Gesicht und Rauchgeruch in den Haaren.
Aber was würde mich als Belohnung am Samstag Abend erwarten? Ein Schaumbad – nur für mich alleine in unserer Badewanne! Weiterlesen